Thema des Monats
Altersangaben für Videospiele und Online-Games (10.04.2008)

Computer- und Videospiele sind für viele Jugendliche heute wichtiger als Kinofilme oder Fernsehserien. Sie spielen die Games nicht nur, sondern beschäftigen sich auch damit, lesen zum Beispiel Artikel über Spielstrategien oder diskutieren mit Freunden darüber, wie sich knifflige Aufgaben meistern lassen. Nur eins lässt sie kalt: Ob ein Spiel für ihre eigene Altersstufe nun geeignet ist oder nicht - was aber wohl niemanden ernsthaft überraschen dürfte.
Um so wichtiger ist es, dass Eltern im Blick haben, welche Computerspiele im Wohn- oder Kinderzimmer zum Einsatz kommen. Anderenfalls kontrolliert das nämlich niemand. Die Jugendschutzgesetze in Deutschland sind zwar so streng wie nirgendwo sonst. So ist zum Beispiel jeder Hersteller verpflichtet, auf der Verpackung genaue Angaben darüber zu machen, für welche Altersklasse das Spiel geeignet ist. Oder besser: Ab welchem Alter das Spiel als unbedenklich eingestuft wird. Allerdings muss irgendjemand auch darauf achten.
Jedes Computerspiel hat eine Altersangabe
Die Altersangabe auf der Spieleverpackung ist eine äußerst nützliche Information, von der aber leider nur wenige Eltern Gebrauch machen. So liegen in vielen Kinderzimmern Spiele herum, die garantiert nichts für Jugendliche sind. Spiele mit einer Freigabe ab 18 Jahren sind bei den Jugendlichen selbst naturgemäß besonders beliebt, da es hier richtig "zur Sache" geht. So etwas sollte Eltern nicht egal sein: Sie sollten das Spielerepertoire der Kinder daher regelmäßig unter die Lupe nehmen.
In Deutschland muss jedes Computerspiel mit einem Prüfsiegel versehen sein. Es reicht ein kurzer Blick auf die Verpackung, um die Altersfreigabe für das Spiel zu erfahren. Niemand muss also umständlich im Internet recherchieren oder Listen durchstöbern. Das Prüfsiegel verrät auf einen Blick, was wichtig ist. Spiele, die nur für Erwachsene gedacht sind, lassen sich leicht an der roten Farbe im Prüfsiegel erkennen. Von den rund 2.800 Computerspielen, die im Jahr 2007 getestet wurden, haben lediglich 5,3% die Einstufung "Ab 18" erhalten.
Angabe im Prüfsiegel verbindlich für Händler
Seit April 2003 hat das verbindliche Prüfsiegel der Unterhaltungssoftware-Selbstkontrolle (USK) auch rechtliche Wirkung: Händler sind verpflichtet, das Alter ihrer Kunden zu kontrollieren und dafür zu sogen, dass Computerspiele nicht in die falschen Hände geraten. Sie dürfen Computerspiele also nur an entsprechende Altersklassen verkaufen. So etwas gibt es sonst nirgendwo auf der Welt. Anders als in anderen Ländern werden die Spiele tatsächlich von Experten durchgespielt und dann bewertet. In anderen Ländern beantworten die Hersteller einen Fragebogen - und erhalten danach eine entsprechende Freigabe.
Über die konkrete Einstufung einzelner Spiele gibt es dennoch immer wieder Diskussionen. Kein Wunder, schließlich ist es äußerst schwierig, objektive Maßstäbe anzulegen. Darum sollte die Altersangabe nur ein Hinweis für Eltern sein, aber nicht das alles entscheidende Kriterium. Nur Eltern können beurteilen, wie weit ihre Kinder bereits sind und was man ihnen gefahrlos zumuten kann. Allerdings müssen Eltern nicht nur kontrollieren, sondern auch reglementieren. Über spezielle Jugendschutzfunktionen in Windows Vista oder in der Xbox 360 zum Beispiel können Eltern bis ins Detail einstellen, wie lange ihre Kinder spielen oder online gehen dürfen, oder welche Spiele überhaupt erlaubt sein sollen. Über diese Möglichkeiten sind sich viele Eltern gar nicht bewusst.
Alterseinstufung bei Onlinespielen
Doch es gibt noch ein anderes Problem: Onlinespiele fallen bislang völlig durchs Raster. Allerdings werden Onlinespiele immer populärer, daher nimmt der Handlungsbedarf zu. Wolf-Dieter Ring, der Vorsitzende der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM), fordert deshalb eine neue Selbstkontrolleinrichtung für Onlinespiele, analog zur Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle USK. Geht es nach dem Experten, werden künftig also auch Onlinespiele bewertet - und mit einer Alterseinstufung gekennzeichnet.
Auch das scheint sinnvoll. Allerdings gibt es bei Onlinespielen naturgemäß eine Menge zusätzlicher Hürden: Die Alterskontrolle ist deutlich erschwert. Außerdem können Eltern kaum kontrollieren, welche Onlinespiele während einer Internetsitzung gespielt werden. Hinzu kommt die Suchtgefahr, die bei Onlinespielen - unabhängig vom Alter der Spieler - sehr viel höher ausfällt als bei Computer- und Videospielen, die ausschließlich offline gespielt werden. Zudem drohen in virtuellen Spielwelten Gefahren, die in klassischen Spielen undenkbar sind, etwa Belästigungen über die Kommunikationskanäle der Games.
All das macht deutlich: Eltern müssen sich einmischen. Sie müssen sich einen Eindruck davon machen, welche Spiele gespielt werden - je jünger der Nachwuchs, um so wichtiger.
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