Sonntag, 20. Mai 2012

Wissen, wie's geht

Cybermobbing: Tatort soziales Netzwerk

Online tauscht man Meinungen aus und bildet Ansichten. Dazu gehört auch das Lästern und Klatschen (vgl. Gruppen wie "Wir lästern nicht, wir stellen nur fest"). Der Unterschied ist, dass der Tratsch im Netz nicht verhallt wie in einem Gespräch, sondern lange Existenz genießt. Im Klartext stehen Behauptungen dauerhaft im Netz. Kopiert und verbreitet jemand Klatsch oder Gerüchte, wird eine Lawine losgetreten, die harmlosen Tratsch bis hin zum Mobbing eskalieren lassen kann.

Cybermobbing, auch Linkpfeil"Cyberbullying" genannt, ist das bewusste Beleidigen, Bedrohen, Bloßstellen oder Belästigen Anderer mit Hilfe von Internet und Mobiltelefon. Aufgrund ihrer Struktur ebnen soziale Netzwerke dem Cybermobbing den Boden. In eigens gegründeten Hassgruppen werden die Opfer verunglimpft. Es finden sich verleumdende und beleidigende Einträge auf den Pinnwänden oder verletzende Kommentare zu Fotos. Stalker und Mobber missbrauchen Daten, die sie im Netzwerk finden. Um Opfer zu diffamieren, setzen sie z.B. Profilbilder in andere Kontexte oder retuschieren sie negativ (z.B. Gesicht auf Nacktfoto). In gefälschten Profilen, die Schüler für andere Schüler anlegen, werden böse Unterstellungen gemacht, Lügen verbreitet oder ungünstige Fotos eingestellt. Die Opfer merken zunächst nichts davon, sofern sie selbst noch nicht im Netzwerk angemeldet sind. Erst wenn sie in der realen Welt jemand auf ihr unvorteilhaftes Profil anspricht, gehen sie der Sache nach und sind schockiert, zu sehen, dass ihnen jemand die eigene Identität geklaut hat.

Gefährlich am Cybermobbing ist die fehlende räumliche Begrenzung: Über das weltweite Netz findet es ein großes Publikum und nimmt bedrohliche Dimensionen an. Sind mit dem Handy fotografierte peinliche Aufnahmen oder Bleidigungen einmal ins Netz gestellt, breiten sie sich aus wie ein Lauffeuer. Die Mobbingopfer erfahren ein Gefühl von Ohnmacht und Hilflosigkeit. Schwarz auf weiß wird ihnen bescheinigt, nicht gemocht zu werden.

Die Anonymität des Internets und die damit verbundene niedrige Hemmschwelle sorgen für einen Cybermobbing-Boom und bieten Tätern eine optimale Tarnung. Unter falschem Namen schikaniert es sich einfach. Die Schwelle, andere zu beleidigen, sinkt. Die Reaktion und Betroffenheit der Opfer wird im Internet nicht unmittelbar erfahren, daher handeln Mobber skrupelloser und enthemmter. Oft sind sich Schüler, die andere mobben, gar nicht darüber bewusst, wie verletzend ihr Verhalten ist und was sie damit anrichten. Für Lehrer und Eltern ist es schwieriger, Cybermobbing zu bemerken, da es medienvermittelt und damit oft heimlich geschieht. Dieweil Lehrer und Eltern selbst keinen Zugang zum schülerVZ haben, ist ein gutes Vertrauensverhältnis wichtig, damit Kinder ihren Eltern von Online-Demütigungen berichten.

Auch Lehrer werden in sozialen Netzwerken gemobbt. Offensichtlich ist das in Lehrer-Läster-Gruppen oder auf der Plattform Spickmich.de (www.Spickmich.de), die Schülern eine Bewertung ihrer Lehrer zugesteht. Grundsätzlich zu unterscheiden ist zwischen harmloseren Lehrer-Ärgereien und Mobbing. Problematisch wird es, wenn Äußerungen ausfallender werden, Schwellen überschritten und das Web gezielt zum Mobbing eingesetzt wird. Cybermobbing ist kein Kavaliersdelikt. Diskreditierende Statements über Lehrer im Internet resultieren mitunter in einen Schulverweis. Eine GEW-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass bereits 8% der Lehrer von Cybermobbing betroffen sind.

Zum Weiterlesen:

Gegen Mobbing vorgehen

Aus Angst und Scham behalten die Opfer ihre Probleme oft für sich. Konsequentes Vorgehen von Eltern und Schule gegen die Täter kann helfen, das Schweigen der Opfer zu brechen. Der erste Weg sollte zu den Eltern gehen, denen man sich anvertraut. Gut, wenn die sich dann mit der Plattform auskennen und als Reaktion das Internet nicht verbieten. Die Mobber sollten auf die Ignorier-Liste gesetzt und aufgefordert werden, ihre Aktivitäten sofort zu unterbinden und Inhalte zu entfernen. Darüber hinaus sollten die Betreiber informiert und ihnen Mobber gemeldet werden. Deren Pflicht ist es, Täterprofile unverzüglich zu sperren oder zu löschen. Sichern Sie Beweise, denn Mobbing verstößt gegen das Persönlichkeitsrecht und das Recht auf informationelle Selbstbestimmung und stellt eine Straftat dar (Screenshots anfertigen, z.B. mit der Tastenkombination Strg+C, dann Word öffnen und Strg+V drücken, Daten abspeichern). Damit können Eltern ggf. Anzeige bei der Polizei erstatten.

Einen hundertprozentigen Schutz gegen Cybermobbing gibt es nicht. Wer auf seine Privatsphäre achtet und möglichst wenig öffentlich über sich preis gibt, bietet weniger Angriffspunkte und schützt sich. Präventiv lassen sich die Themen Mobbing und Respekt in den Unterricht einbeziehen (vgl. Linktipps).

Material zum Thema Cybermobbing

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Ausschnitt aus dem Poster zum Kongress

Der Medienpass NRW in der Grundschule
Am 16. Juni 2012 von 10 bis 16 Uhr im Haus der Technik, Essen: Kongress "Der Medienpass NRW in der Grundschule"

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