Sonntag, 20. Mai 2012

Wissen, wie's geht

Musik mit dem Computer machen

Synthesizer im Monitor; Rechte: Internet-ABC

Wer noch vor 20 Jahren selbst Musik machen wollte, kaufte sich ein Instrument, spielte mit einer Band im Probekeller und vielleicht mal auf einem Schulfest. Wollte man die eigenen Lieder aufzeichnen und als Schallplatte herausbringen, so bedurfte es entweder eines Plattenvertrags oder dem nötigen Kleingeld, denn zur Aufzeichnung wurde ein teures Tonstudio benötigt.

Die rasante technische Entwicklung von Computer und Internet hat inzwischen alles rund um die Musik auf den Kopf gestellt. Vieles ist kostengünstiger, schneller und einfacher geworden, allerdings kann man sich auch rasch in der Fülle von Angeboten und Möglichkeiten verlieren.

Wir zeigen Ihnen, wie man am PC musikalisch kreativ werden kann und was man dafür benötigt: PC, Soundkarte, Software, Boxen. Einzelne PC-Programme werden kurz vorgestellt und bewertet. All dies richtet sich, so viel sei vorweg gesagt, eher an den interessierten Laien als an professionelle PC-Musiker.

    Keine Vorkenntnisse nötig

    Klavier; Rechte: Internet-ABC

    Spielen Sie und Ihre Kinder Gitarre, Klavier oder andere Instrumente? Ist vielleicht sogar der Wunsch vorhanden, eigene Ideen zu vertonen, eigene Songs zu schreiben? Dann ermuntern Sie Ihre Tochter oder Ihren Sohn doch einmal dazu, mit Ihrer Hilfe selbst kreativ zu werden.

    Dafür gibt es interessante PC-Programme. Spuren anlegen, Audiodateien hinzufügen, Effekte einbauen, Abmischen - dies kann bereits mit einfacher und relativ preiswerter Software erlernt werden. Und auch wenn Sie oder Ihre Kinder selbst gar kein Instrument spielen, können Sie dennoch einfach zusammen Musik machen: Meist gilt es hier, vorgefertigte Musik- oder Soundschnipsel zusammen zu setzen, die in reichlicher Auswahl mitgeliefert werden: Schlagzeug-, Bass-, Keyboard- und viele Klänge mehr. Zwei Beispiele stellen wir unter "Software für Einsteiger" kurz vor.

    Für die Aufnahme eigener Instrumente oder das Einspielen sogenannter "virtueller Instrumente" sind etwas kompliziertere Programme notwendig, die kleinen Tonstudios ähneln. Ist jedoch einmal etwas Grundwissen vorhanden, sind diese Programme relativ schnell zu bedienen.

    Anforderungen an den PC

    Musik zu hören, aufzunehmen oder herunter zu laden - das schafft auch ein mehrere Jahre alter Computer. Problematischer wird es, wenn Sie selbst Musik am PC machen wollen. Je aufwändiger und neuer die Software ist, desto größer ist der Anspruch an den PC.

    Die einfachen Programme, die wir hier vorstellen, kommen meist mit einem 1 GHz- Prozessor, einem Arbeitsspeicher mit 512 MB und einer einfachen Soundkarte aus, wie sie in fast jedem PC vorhanden ist. Die Software, die auch professionellere Aufnahmen ermöglicht, erfordert in der Regel einen etwas schnelleren PC.

    Bei der Soundkarte sollten Sie auf die richtigen Eingänge für das Instrument achten:

    • Ein einfacher Mikrofon-Eingang ist bei vielen Computern standardmäßig an Bord, viele hochwertige Mikrofone funktionieren jedoch ohne Batterie und benötigen eine sogenannte Phantomspeisung. Diese bieten allerdings nur vergleichsweise teure Soundkarten.
    • Gitarre und Bass haben einen niedrigeren Ausgangspegel als beispielsweise ein Keyboard. Der Line-Eingang einer Soundkarte liefert daher bei direkter Gitarrenabnahme nur sehr leise Aufnahmen. Ein eigener Eingang an der Soundkarte für die Gitarre oder ein Line-Ausgang an einem Gitarrenverstärker leisten hier Abhilfe.
    • Über einen MIDI-Anschluss können per Keyboard Schlagzeug-, Streicher- oder andere Instrumentenklänge erzeugt werden - je nachdem, welche Klänge die jeweilige Software anbietet.
    • Zudem sollte die Soundkarte einen "ASIO" Treiber bereit stellen. ASIO (Audio Stream Input/Output) hat vor allem den Vorteil, dass die Zeit zwischen dem Anschlag auf dem Keyboard und dem zu hörenden Ton aus dem Computer möglichst gering bleibt und sich so keine Verzögerungen (Latenzen) ergeben. (Abhilfe bei so genannten Onboard-Soundkarten schafft hier der Treiber ASIO4ALL. Wohlgemerkt: Dieser Treiber senkt die Latenzzeit, verbessert aber nicht den Klang der Soundkarte!)

      Eine derartige Soundkarte ist, in ausreichender Qualität, ab ca. 80,- EUR zu bekommen. Nicht zu vergessen sind zudem brauchbare Lautsprecher. Ein preiswertes 2.1-System (ab ca. 40,- EUR) wird für den Anfang reichen. Ist eine Stereoanlage vorhanden, kann der Computer auch gleich daran angeschlossen werden.

    Software für Einsteiger

    Screenshot des Programms MAGIX Music Maker Rock Edition

    Einen relativ gut klingenden Instrumental-Song zu erstellen, ist sogar mit preiswerter Software möglich. Musikprogramme wie die Einsteiger-Versionen von MAGIX (z.B. die Music Maker Rock Edition) oder das Virtual Music Studio von eJay bieten eine Vielzahl von Sounds einzelner Instrumente, die sich mit der Maus einfach auf verschiedene Spuren ziehen lassen: Schlagzeug, Bass, Gitarren, Keyboards usw. Diese sind aufeinander abgestimmt und können spielerisch zusammengefügt werden. Ein wenig Musikalität freilich schadet nicht.

    Auch andere Audiodateien (MP3 oder WAV) können meist ohne Probleme auf eine Spur gezogen und verarbeitet werden, so z.B. auch selbst eingespielte Instrumente oder Gesang. Manche Programme ermöglichen es zudem, eigene Rhythmen zu erstellen.

    Die Funktionsvielfalt ist allerdings doch ziemlich eingeschränkt, wodurch auch der Kreativität Gernzen gesetzt sind.

    Hörbeispiele

    Software für Fortgeschrittene

    Irgendwann mag es dem einen oder anderen nicht mehr reichen, immer nur vorgegebene Soundschnipsel zusammen zu setzen. Eigene Kompositionen aufzunehmen, eigene Klangbilder zu erstellen und abzumischen - dafür sind zuvor genannte Einsteiger-Programme nicht oder nur in Ansätzen geeignet.

    Welche Software sich für solche Zwecke besser eignet, wird nachfolgend aufgezeigt. Wie so oft gilt auch hier: Wer alles möglichst umsonst haben möchte, muss erheblich mehr Eigeninitiative aufbringen - und manchmal auch viel Geduld.

    Samplitude 9SE bzw. 10SE

    Screenshot der Software Samplitude 9SE

    Samplitude 9SE (neuerdings auch schon die 10er Version) ist regelmäßig auf CD-ROMs von Musikzeitschriften zu finden. Das Programm ist sozusagen eine abgespeckte Version einer deutlich umfangreicheren und teuren Software. Für Aufnahme, Effekte und Abmischen reicht sie allemal aus - und wird auch von so manchem (Fast-)Profi geschätzt.

    Für den, der noch gar nicht mit derartigen Programmen gearbeitet hat, ist es nützlich, wenn in der entsprechenden Zeitschrift eine kurze Anleitung für die ersten Schritte gegeben wird. Ansonsten hilft ein Blick ins Internet: Samplitude hat für die 9-er Vollversion das komplette Handbuch online gestellt: www.samplitude.de/de/sam/se.html.

    Eigene Sounddateien bietet das Programm nicht, alles muss selbst eingespielt oder eingebunden werden. Über sogenannte VST-Instrumente (kleine Plug-Ins oder Zusatzprogramme) können mit einem Tasteninstrument über den MIDI-Anschluss Klänge virtueller Instrumente (Schlagzeug, Bass, Streicher etc.) erzeugt werden. Neben etlichen kostenlosen VST-Instrumenten gibt es auch eine Reihe teurer, aber auch hochwertiger Plug-Ins.

    VST-Instrumente erhalten Sie hier:

    Mehr Komfort bei kostenpflichtiger Software

    Wer Musik am PC machen möchte, dem sind preislich nach oben keine Grenzen gesetzt. Doch bereits für deutlich weniger als 100 EUR gibt es Software, die für das "Homerecording" des Nichtprofis vollkommen ausreicht. Wer eine gute Mischung aus Sampletechnik und Aufnahme eigener Instrumente sucht, der ist mit den "Music Maker"-Produkten von MAGIX (z.B. MAGIX Music Maker 15 Premium) gut bedient.

    Die "Studio"-Versionen (z.B. MAGIX Samplitude Music Studio 15) bieten hingegen weniger Samples, sondern bessere Aufnahme- und Bearbeitungsmöglichkeiten mittels Midi und virtuellen Instrumenten. Ähnlich sieht dies bei den Produkten der Firma Steinberg aus: "Cubase Essentials" ist zwar teurer als das Samplitude Music Studio, wird aber gerade in Musikerkreisen sehr geschätzt.

    Webtipps zum Thema Musik machen

    Die eigene Musik veröffentlichen

    Sind die ersten Songs fertig gestellt? Dann stellen Sie Ihre Musik anderen Musikinteressierten vor!

    Meist bieten die Hersteller der Software auf ihrer Website die Möglichkeit, den eigenen Titel hoch zu laden und von anderen bewerten zu lassen. Hier sind dann die Anwender bestimmter PC-Programme versammelt, geben sich Tipps und bewerten die Leistungen der anderen. Einige Communitys sind nur registrierten Nutzern der Software zugänglich.

    Daneben gibt es allgemeine Musikportale, die Software-übergreifend die Möglichkeit bieten, sich über die eigene Musik auszutauschen, sowie die großen Communitys, die oftmals auch eine eigene Musiksparte besitzen:

    Bei all diesen Webseiten gilt: Wer sich nicht aktiv an der Gemeinschaft beteiligt, indem er selbst mitschreibt und andere Musiktitel bewertet, findet auch nur mäßige Resonanz auf die eigenen Titel.

    Wichtig: Vor der Veröffentlichung Ihres Songs sollten Sie darauf achten, dass sie nur lizenzfreie Samples verwendet haben. Nicht immer ist jeder vorgefertigte Soundschnipsel, den z.B. Magix oder eJay mit ihrer Software mitliefern, frei von Lizenzen. Lesen Sie hierzu unbedingt die mit der Software mitgelieferten Lizenz- und Urheberrechtsbestimmungen. Auf die Urheberrechte muss natürlich auch geachtet werden, wenn sie einen Remix oder eine Coverversion eines bereits veröffentlichten Songs erstellt haben.

    Weitere Informationen / Linktipps

    Zum türkischen Bereich
    Ausschnitt aus dem Poster zum Kongress

    Der Medienpass NRW in der Grundschule
    Am 16. Juni 2012 von 10 bis 16 Uhr im Haus der Technik, Essen: Kongress "Der Medienpass NRW in der Grundschule"

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