Mittwoch, 23. Mai 2012

Thema des Monats

Zwischen Freundschaft und Mobbing: Web-Netzwerke für Kinder und Jugendliche (12.12.2007)

Screenshot www.schuelervz.de

Für die meisten Kinder und Jugendlichen ist das Internet längst selbstverständlicher Bestandteil ihrer Medienwelt. Für Hausaufgaben online zu recherchieren, bei Wikipedia nachzuschlagen und parallel mit Freunden zu chatten ist für sie Alltag. Mehr als 90 Prozent aller Jugendlichen gehen heute regelmäßig online, die meisten sogar mehrmals täglich. Jugendliche verbringen mehr Zeit online als vor dem Fernseher.

Besonders beliebt sind so genannte "soziale Netzwerke": Online-Plattformen, auf denen man Schulfreunde oder Gleichgesinnte trifft, sich online über Hobbys, Spiele, Musik oder Kinofilme austauscht - oder auch verabredet.

Fast ein Muss für Schüler heute: SchülerVZ

Zu den derzeit besonders angesagten Angeboten in der Altersgruppe zwischen zehn und 18 Jahren gehört das "Schüler Verzeichnis", kurz SchülerVZ. Mehr als zwei Millionen deutsche Schüler haben sich nach Angaben des Betreibers seit dem Start des Portals im Februar 2007 hier angemeldet. Die Anmeldung ist kostenlos und unkompliziert. Jeder Schüler kann in dem Portal kostenlos eine eigene Homepage einrichten: Ein paar Daten über sich eintippen, ein Foto hoch laden, die besuchte Schule auswählen - fertig. Sekunden später können die Jugendlichen sehen, wer sich sonst noch von der eigenen Schule bei SchülerVZ angemeldet hat. SchuelerVZ ist ein virtueller Jugendtreff, dem heute kaum jemand fernbleiben möchte.

Ein wichtiger Bestandteil des Netzwerks sind virtuell geschlossene oder zumindest dokumentierte Freundschaften. Je mehr Freundschaften auf der eigenen SchülerVZ-Seite dokumentiert sind, umso besser. Längst ist ein regelrechter Wettbewerb entstanden: Wer nicht wenigstens 100 Freundschaften vorweisen kann, gilt beinahe als Außenseiter. Tricksen kann man nicht, denn eine Freundschaft entsteht nur, wenn beide das wollen und per Mausklick die Online-Freundschaft besiegeln. Sonst läuft der "Antrag" (Motto: Hey, willst Du mein Freund sein?) ins Leere.

Eltern, Lehrer und Erwachsene müssen draußen bleiben

Wer Mitglied bei SchülerVZ werden möchte, muss sich registrieren. Doch anders als in anderen Portalen ist das hier gar nicht so einfach, denn man braucht eine Einladung von einem bestehenden Mitglied, um bei SchülerVZ aufgenommen zu werden. Wie in einem exklusiven Club. Also müssen die Jugendlichen vorher schon mal in der Klasse oder im Freundeskreis rumfragen. Für Schüler ist es in der Regel kein großes Problem, bei SchülerVZ reinzukommen. Für Eltern und Lehrer aber um so mehr.

Es prangt also gewissermaßen ein Schild an der virtuellen Eingangspforte, und auf dem Schild steht: "Erwachsene müssen draußen bleiben!" Das ist zum einen verständlich, denn welcher Jugendliche fühlt sich schon wohl bei dem Gedanken, dass die eigenen Eltern die öffentlichen Diskussionen über Partys, Liebeleien, Alkohol und Freundschaften verfolgen? Poesiealbum und Tagebuch waren schließlich auch immer gut weggeschlossen. Darüber hinaus ist es wichtig, Pädophile und Verrückte draußen zu halten. Allerdings erschwert dieses Praxis natürlich jede Kontrolle.

Mobbing über die Online-Plattform

Doch genau die scheint bitter nötig. Denn längst wird SchülerVZ auch genutzt, um Mitschüler zu mobben, sie zu bedrängen oder gängeln. Meistens funktioniert das so: Da werden innerhalb des Portals geschlossene Gruppen gebildet, denen man wiederum nur auf Einladung beitreten kann. In diesen Gruppen wird dann ungeniert über Mitschüler hergezogen (ohne dass dieses es bemerken), es werden kompromittierende Fotos veröffentlicht oder Gerüchte verbreitet. Schneller als in einem Onlinesystem lassen sich Hassbotschaften nicht verbreiten.

Einige Gruppen tragen sogar unverfroren Namen wie "Gruppe gegen Jenny". Mitunter wird nicht nur gelästert, manchmal werden die betroffenen Schüler auch konkret gemobbt. Dann landen dutzendweise Hass-Mails oder dumme Sprüche in ihren Briefkästen. Die Verursacher zu ermitteln ist schwierig bis unmöglich, denn niemand ist gezwungen, bei der Anmeldung seine wahre Identität preiszugeben.

Was können Eltern und Pädagogen tun?

Die Möglichkeiten für Eltern und Pädagogen, sich ein Bild von einem konkreten Problem zu machen, sind eingeschränkt, da sie sich bei SchülerVZ nicht anmelden können. So bleibt nur die Möglichkeit, Gruppen, Fotos oder Mitglieder im Zweifel bei SchülerVZ selbst zu melden. Aber selbst wenn diese gesperrt oder gelöscht werden: Schnell sind neue Konten eröffnet. Daran ändert auch der Ehrenkodex von SchülerVZ wenig: "Es ist verboten, Mitglieder von SchülerVZ zu beleidigen, zu beschimpfen, anzugreifen oder lächerlich zu machen."

Wichtig ist daher, dass sich Eltern schon früh Gedanken darüber machen sollten, ab wann sich ihr Kind unbeaufsichtigt im Netz bewegen darf und ab welchem Alter sich Tochter oder Sohn in derartigen Netzwerken tummeln dürfen.

Ein gemeinsamer Besuch eines derartigen Portals sollte stets am Anfang stehen und kann auf beiden Seiten Ängste und Sorgen abbauen. Eltern und auch Lehrer sollten Kinder auf die Gefahren solcher Netzwerke aufmerksam machen, sie davor warnen, zuviele Informationen von sich preiszugeben. Sie sollten jedoch auch Interesse für die Vorlieben ihrer Schützlinge an den Tag legen. Dies mag helfen, ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen Kindern und Eltern/Pädagogen aufzubauen, so dass sich die Jüngeren im Notfall an die Älteren wenden.

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